Hühnerrassen (persönliche Erfahrungen)

Unsere verschiedenen Hühnerrassen (Sussex, Brahma, Orpington) haben wir uns nach den Informationen die ich aus dem Internet habe ausgesucht. Hier schildere ich mal unsere persönlichen Erfahrungen, die teilweise schon anders sind als die Eigenschaften die beschrieben werden. Natürlich weiß jeder Hühnerbesitzer, dass jedes Huhn schon anders tickt als das Nächste. Es sind Individuen mit teils speziellem Charakter 🙂

Sussex:

Diese Hühner werden als sehr pflegeleicht beschrieben, die auch zutraulich werden können. Sie sollen viele Eier legen und ideal für den Anfänger sein.

–> All das kann ich bestätigen ! Unser ältestes Huhn ist mittlerweile 6 1/2 Jahre alt. Es legt zwar (fast) keine Eier mehr, aber das darf es in dem Alter. Die ersten zwei Jahre hatten wir mit 3 Sussex Hühnern im Schnitt 2 Eier pro Tag. Das finde ich schon sehr gut. Dieses Jahr im Frühling hat es sogar nochmal zusammengerechnet ca. 20 Eier von unserer alten Dame gegeben. Einziges Problem war eine Zeit lang mal, dass die Sussex-Hennen anfingen ihre Eier zu fressen. Da steckt dann ein Huhn das andere an… Bei anderen Haltern kämen sie dann in den Topf. Gute Erfahrung habe ich aber mit sog. Senfeiern gemacht. Dazu bläst man ein Ei aus, füllt es mit Senf und legt es wieder ins Nest. Der Eierfresser hat nach dem Versuche so ein Ei zu fressen zumindest eine Zeit lang keinen Appetit mehr darauf.

Brahma:

Die Brahma-Hühner werden als sehr zutraulich und friedfertig beschrieben, die auch noch verhältnismäßig viele Eier legen sollen.

–> Unsere Brahma-Henne war eine Zeit lang (ca. 2 Jahre) das ängstlichste Huhn was ich je gesehen habe. Ein Kontakt zu Menschen war gar nicht vorstellbar. Die Legeleistung ist sehr bescheiden, zudem legt es recht kleine längliche Eier (das findet man auch im Internet). Wo auch immer die Erfahrung her kommt, dass dies eine super zutrauliche Rasse wäre… Etwas zutraulicher wurde es erst, nachdem unser Hahn sie anfing zu bedrängen. Seit dem ist sie auch zu Menschen etwas zutraulicher.

Orpington:

Ich wollte diese Rasse unbedingt haben, da ich sie sehr schön finde und auch zutrauliche Hühner haben möchte mit guter Legeleistung. Den Hinweis, dass es gute Brüterinnen sein sollen hatte ich schon gelesen. Sie werden als sehr zutraulich beschrieben. Die Hähne sollen relativ leise und mit tiefer angenehmer Stimme selten krähen.

–> Diese Hühner haben wir mit einem Inkubator selbst aus Bruteiern „ausgebrütet“ und liebevoll von Hand aufgezogen. Im Ergebnis hatten wir 4 Hennen und ein Hahn aus 10 Eiern (1 Küken starb). Ein guter Schnitt wie ich finde.

Von den Hennen ist eine sehr zutraulich und freundlich. Eine Weitere war es auch, bis dass ich sie gegen Federlinge behandeln musste. Danach ist sie nicht mehr zutraulich 🙁 . Eine weitere rennt eher schneller davon und die vierte (1 Tag älter als ihre Schwestern) nimmt Reißaus sobald sie jemanden sieht. Alle 4 sind von einem Züchter mit einem Hahn, also Schwestern und von uns gleichzeitig aufgezogen worden. Hier sieht man das schon oben Beschriebene sehr schön. Jede Henne ist anders. Diese Rasse ist sehr mitteilungsfreudig. Während unsere anderen Hühner dezent im Hintergrund ab und zu gackern, haben diese hier öfter mal einen lautstarken „Redeflash“. Die Brahma-Henne hat sich davon anstecken lassen und es wird teils munter getratscht 😉 Was ich völlig unterschätzt hatte ist der enorme Bruttrieb der Orpingtons. Von den anderen Hennen war einmal in all den Jahren ein Sussex-Huhn brütig, aber sonst keins. Bei unseren Orpis waren im ersten Jahr alle 4 Hennen schon 2-3 mal brütig! Die sitzen dann im Nest (egal ob mit oder ohne Ei) und fauchen einen an. Nun sind die Hennen darauf aus 21 Tage auf dem Gelege zu sitzen und zu brüten. Das macht bei uns aber keinen Sinn, da aus 0 Eiern unter ihnen halt nichts schlüpfen wird. Man liest teilweise auch, dass wenn man sie einfach sitzen lässt sie unnötig Hungern und abmagern, ja sogar vor Schwäche sterben könnten. Eine gute und m.E. sehr sanfte Methode ist nun die brütige Henne eine Zeit lang zu vereinzeln. Wir haben dazu einen extra Käfig in der Voliere mit extra Futter und Trinken, aber ohne Nester. Nach zwei Tagen ohne Möglichkeit ein Nest zu erreichen gibt die Henne das Brüten in der Regel auf und kann wieder zu den anderen Tieren. Allerdings legt sie auch wochenlang trotzdem keine Eier mehr. So haben wir mit 4 Orpington-Hennen nur ca. 2 Eier in drei Tagen (wenn keine brütig ist). Fazit: Eher aufwändig zu haltende Rasse und wenige Eier. Wenn man Hühner züchten möchte sind die Hennen ideal!

Der Orpington- Hahn: Wenn man Eier ausbrütet muss man mit Hähnen rechnen, auch wenn man – wie wir – eigentlich keinen haben wollen. Für den Fall der Fälle muss man sich vorher (!) Gedanken machen, was man mit den Hähnen macht. Da der Orpington-Hahn ja als zutraulich und eher leise und sonor beschrieben wird, hatten wir die Hoffnung ihn behalten zu können. Anfangs war er auch das zutraulichste Tier überhaupt. Sehr neugierig und extrem freundlich! Kurz nach Erreichen des fortpflanzungsfähigen Alters wendete sich das Blatt. Er wartete nun immer vermeintlich freundlich, stürzte sich dann Krallen voran aber auf einen, sobald man ihm den Rücken zudrehte. Aus unserem lieben Hahn wurde ein aggressives Biest. (Das liest man übrigens auch öfter, dass dies gerade bei Handaufzucht öfter passiert, da das Tier den Menschen dann als Rivalen betrachtet und entsprechend reagiert.) Die Krähstimme ist vielleicht ein paar Herz tiefer als bei anderen Hähnen, aber unserer krähte gefühlt ständig, lange und sehr laut. Wir haben in der Nachbarschaft noch zwei weitere Hähne in Rufweite und da ließ er sich dann immer zusätzlich anstecken und wollte wohl unbedingt Letzter sein der kräht. Als Schalldämmung zog ich eine Zwischendecke ins Hühnerhaus ein welche ich mit Sand abdeckte. Das ist übrigens eine super Schalldämmung die ich nur empfehlen kann. Die Tipps mit Eierkartons usw. kann man m.E. vergessen. Die automatische Hühnerklappe schränkte ich noch über einen Timer ein, damit das Gekrähe nicht allzu früh los ging. Aber die Aggressivität ging auf Dauer gar nicht. Er hielt die Hennen nun immer von uns fern und griff uns bei fast jeder Fütterung an… Da Orpingtons recht seltene Hühner sind, hatten wir Glück und verkauften ihn in gute Hände mit schon wartenden anderen Orpington-Damen. Die weiteren Pflichten als Hahn erfüllte er immer sehr gut.

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